Restauration AWIN 

NEPTUN 22 BACKDECKER

Das AWIN-Projekt

AWIN ist eine Neptun 22 Backdecker mit Hubschwert, Baujahr 1978. Eine kompakte Fahrtenyacht aus GFK, die trotz ihrer überschaubaren Länge erstaunlich viel Raum bietet. Ihr Name steht für „All What I Need“ – und beschreibt ziemlich genau die Idee hinter dem Projekt: kein schwimmendes Luxusapartment, sondern ein kleines, eigenständiges Boot für echte Unternehmungen.

AWIN wird technisch und optisch überarbeitet und anschließend dauerhaft für Segelreisen, Erkundungen und Umweltprojekte eingesetzt. Im Mittelpunkt steht nicht die perfekte Hochglanzrestaurierung, sondern ein zuverlässiges, zweckmäßiges Boot, das zu seinem Revier und zu meiner Art des Segelns passt.

Technische Daten

Merkmal Daten
Hersteller Neptun Yachten
Modell Neptun 22 Backdecker
Baujahr 1978
Bootstyp Kleinkreuzer / Fahrtensegelboot
Bauweise GFK
Rigg Masttopp-Slup
Länge über alles ca. 6,95 m
Länge Wasserlinie ca. 5,80 m
Breite ca. 2,50 m
Tiefgang ca. 0,55 bis 1,05 m
Segelfläche je nach Besegelung bis ca. 26 m²
Großsegel ca. 10 m²
Fock ca. 6 m²
Genua je nach Ausführung ca. 10 bis 14 m²
Ballast bei der Kielschwert-Ausführung etwa 350 kg
Steuerung Pinne
Motor Honda BF5A Außenborder mit externem Tank
Gewicht laut Vermessungsschein 945 kg
Herstellerangabe bei AWIN ca. 950 kg
 

Bei den Gewichtsangaben zur Neptun 22 finden sich je nach Baujahr, Ausführung und Quelle erhebliche Unterschiede. Deshalb werden für AWIN zunächst die Angaben aus ihren eigenen Papieren genannt. Das tatsächliche segelfertige Gewicht einschließlich Motor, Ausrüstung und Einbauten wird im Zuge des Projekts nochmals überprüft. Allgemeine Typendaten zur Backdecker-Version nennen 6,95 Meter Länge, 2,50 Meter Breite, etwa 26 Quadratmeter Segelfläche und einen Tiefgang ab rund 0,55 Meter. Neptun-Yachten

Was bedeutet Backdecker?

Die Backdecker-Bauweise ist eines der charakteristischen Merkmale dieser Neptun 22. Der erhöhte und weit nach vorne gezogene Decksaufbau schafft unter Deck deutlich mehr nutzbaren Raum, als man bei einem Boot mit nicht einmal sieben Metern Länge erwarten würde.

Dadurch eignet sich die Neptun 22 nicht nur zum Tagess‌egeln. Sie bietet auch Schlafplätze, Stauraum und einen geschützten Innenbereich für mehrtägige Unternehmungen. Das vorhandene Hubdach vergrößert den Raum im Salon zusätzlich und ermöglicht dort zeitweise mehr Stehhöhe.

Hubschwert und geringer Tiefgang

Das aufholbare Schwert ist für das geplante Einsatzgebiet besonders interessant. Mit hochgezogenem Schwert beträgt der Tiefgang nur ungefähr 55 Zentimeter. Dadurch kann AWIN flache Buchten und küstennahe Bereiche erreichen, die für viele größere Kielyachten nicht zugänglich sind.

Wird das Schwert abgesenkt, erhöht sich der Tiefgang auf ungefähr 1,05 Meter. Das verbessert die seitliche Führung unter Segeln und reduziert die Abdrift. Das schwere Ballastgewicht bleibt dabei im unteren Bereich des Bootes; das bewegliche Schwert dient vor allem als veränderbare Lateralfläche.

Der Ausbau

AWIN wird nicht vollständig entkernt und anschließend zum modernen Neubau umgestaltet. Der Charakter des Bootes soll erhalten bleiben. Erneuert und verbessert wird dort, wo es für Sicherheit, Funktion und längere Aufenthalte sinnvoll ist.

Zum Projekt gehören unter anderem:

  • Überarbeitung und Abdichtung wichtiger Decksbeschläge
  • Kontrolle von Mast, Wanten, Baum und laufendem Gut
  • Prüfung und Verbesserung der Segel- und Reffsysteme
  • Erneuerung von Teilen des Innenausbaus
  • neuer Salonboden aus Schichtholz
  • Aufarbeitung der vorhandenen Holzteile
  • neue Verkleidungen und Polsterbezüge
  • übersichtliche und bewusst einfach gehaltene Bordelektrik
  • zuverlässige Navigations-, Anker- und Innenbeleuchtung
  • USB-Lademöglichkeiten für Kameras und mobile Geräte
  • Solartechnik zur möglichst unabhängigen Stromversorgung
  • Vorbereitung für Funk, Navigation und einen späteren Pinnenpiloten

Das Ergebnis soll keine überladene Miniyacht werden. Weniger Technik bedeutet auf einem kleinen Boot auch weniger Gewicht, weniger Stromverbrauch und weniger mögliche Fehlerquellen.

Was mit AWIN geplant ist

Nach Abschluss der wichtigsten Arbeiten soll AWIN in der kroatischen Adria eingesetzt werden. Von dort aus sind mehrtägige Törns, kleine Expeditionen und die Erkundung abgelegener Buchten und Inseln geplant.

AWIN wird dabei Segelyacht, Ausgangspunkt und schwimmendes Basislager zugleich. Von ihr aus können Küstenabschnitte erkundet, Tauch- und Schnorchelplätze erreicht und Orte dokumentiert werden, die vom Land aus nur schwer zugänglich sind.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Meeresschutz. Ausgewählte Buchten sollen regelmäßig besucht und über längere Zeit beobachtet werden. Geplant sind unter anderem:

  • Müllsuche und Müllsammlung an Land und unter Wasser
  • Dokumentation von Verschmutzungen
  • Beobachtung von Seegrasbeständen
  • Vergleich von Sichtweite und Wasserzustand
  • Aufzeichnung von Veränderungen in regelmäßig besuchten Buchten
  • Beobachtung von Fischen, Vögeln und anderen Meerestieren

Damit ist AWIN nicht nur ein Restaurierungsprojekt und nicht einfach irgendein altes Segelboot. Sie bildet die Grundlage für das, worum es bei Salty Quest geht: Segeln, Entdecken, Dokumentieren und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Meer.

 
 
 
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